V+Ü Anwendungssysteme: Auswirkungen der Informatik WS 2008/2009

Dies ist die Veranstaltungsseite zur Vorlesung und Übung "Anwendungssysteme".

Beschreibung

Laut Studienordnung gehört die Veranstaltung zum Themenbereich "Anwendungen und gesellschaftliche Aspekte der Informatik" und hat die folgende Rolle: "Exemplarische Anwendungen werden unter Einbeziehung ihrer historischen Entwicklung, ihrer gesellschaftlichen Relevanz und ihrer sozialen Auswirkungen in den Veranstaltungen über Anwendungen und Auswirkungen behandelt."

Das Ziel der Veranstaltung besteht darin, ein Verständnis dafür zu wecken, dass und wie Informatiksysteme in vielfältiger Weise in unser privates und professionelles Leben eingreifen und es erheblich prägen. Viele dieser Wirkungen bergen erhebliche Risiken und benötigen eine bewusste, aufgeklärte Gestaltung, bei der Informatiker/innen naturgemäß eine besondere Rolle spielen -- oder jedenfalls spielen sollten.

Als Themenbereiche werden wir beispielsweise betrachten, wie die Computerisierung unsere Privatsphäre beeinflusst, Wirtschaft und Gesellschaft im Ganzen, unsere Sicherheit und unser Arbeitsumfeld. Davor steht eine konzeptionelle Einführung, was es bedeutet Orientierungswissen zusätzlich zu Verfügungswissen zu erlangen und wie man damit umgehen sollte: kritisch mitdenken und sich in die Gestaltung der Technik einmischen.


Organisatorisches

Veranstalter

Voraussetzungen/Zielgruppe, Einordnung, Leistungpunkte etc.

Siehe den Eintrag im KVV.

Dies ist eine Pflichtveranstaltung für Studierende der Informatik im 2. oder 4. Fachsemester. Vorausgesetzt werden Erfahrung im Umgang mit Computern und Software sowie Programmierkenntnisse.

Anmeldung

Alle Teilnehmer müssen ferner Mitglied in der Mailingliste SE_V_AWS sein. (Dort bitte auch den vollen Vor- und Nachnamen angeben.) Über diese Liste werden wichtige Informationen und Ankündigungen versendet. Jede/r bitte selbst dort eintragen.

Termine

Die Vorlesung findet dienstags von 10-12 Uhr statt. Übungstermine siehe Eintrag im KVV.

Prüfungsmodalitäten

Die notwendigen Kriterien für die Vergabe des Leistungsnachweises zu dieser Veranstaltung sind
  • aktive Teilnahme an den Übungen und
  • Bestehen der Klausur

Klausur:
  • Wann: Mittwoch, 18.02.2009 ab 09:59 Uhr s.t.*
  • Wo: im großen Hörsaal (600) und Hörsaal A (200) der Physiologie, Arnimallee 22.
    • Alle Teilnehmer sollten bis spätestens 09:58 Uhr ihre Sitzplätze eingenommen haben. Hörsaalverteilung ist nach dem Anfangsbuchstaben des Nachnamens:
      • A bis Sc: gr. Hörsaal
      • Sd bis Z: Hörsaal A
  • Wer: Teilnahmeberechtigt sind alle hinreichend aktiven Teilnehmer/innen der Tutorien; wir geben dies am letzten Übungstag bekannt.
  • Wie lang: Die Dauer der Klausur beträgt 90 Minuten; es gibt 90 Punkte.
  • Wie: Die Klausur findet ohne Hilfsmittel statt; auch Papier wird gestellt.
    Bitte bringen Sie mit:
    - Schreibgeräte (blau oder schwarz, aber nicht Bleistift)
    - ihre Ausweise (Studentenausweis, Personalausweis).

Klausureinsicht: Mittwoch, 15.04.09, von 16:00 bis mind. 16:30, Raum 053, Takustr. 9


Inhalt

Stoffplan

  1. Meta-Ebene 1: Worum geht es hier eigentlich?
    Einführung
    • technische Sicht (->Verfügungswissen) und Wirkungssicht (->Orientierungswissen); Verantwortung (Teller, Parnas); Wirkungen und Nebenwirkungen (Bsp: Autos); Konkurrenz der Sichten; Technik als Moralphilosophie; Artikel: David Parnas: A Life of Indecision
    • Übung: Ganz ohne Computer?
  2. Gesamtgesellschaftliche Wirkungen 1:
    Computer und Globalisierung
    • VWL-Grundbegriffe (Kapital, Mehrwert, Wohlstand, Wachstum, Produktivität); Computer und Arbeitsproduktivität; Globalisierung (Neigung zu, Auslösefaktoren, Computerisierung und); Wechselwirkung von Technologie und Globalisierung
    • Übung: Börsencrash 1929 und 1987 (Vergleich)
  3. Meta-Ebene 2: Wirkungen und Wünschbarkeit
    Werkzeuge und soziale Systeme
    • Liste kontroverser Themenfelder; "Computer sind Werkzeuge" oder "Informatiksysteme sind sozio-technische Systeme"?; "Technischer Fortschritt löst alle Probleme"?; Hinterfragen unterschwelliger Positionen; Was ist Informatik?; Link: Gesellschaft für Informatik
    • Übung: Technikfolgen beim E-Commerce
  4. Meta-Ebene 3: Komplexität und Wahrheit
    Techniksoziologie: Die Brücken des Robert Moses
    • Lessig: "Code is law"; War Robert Moses ein Rassist?; R. Moses und das Long Island Parkway System; Die Geschichte der Geschichte (Wagner, Winner, Caro, Shapiro, Koppelman); Wahrheiten, Vermutungen und Unterstellungen; Das Stille-Post-Spiel; Der Zweck der Geschichte; Artikel: Joerges: Stille Post
    • Übung: Videosysteme
  5. Sicherheit 1: Quellen und Arten von Problemen
    Risiken bei Informatiksystemen
    • Arten und Beispiele von Risiken (Software enthält Defekte; Geräte versagen; Menschen sind evtl. fehlbar, unvorsichtig, ignorant, böswillig; auch Unwahrscheinliches passiert; unverstandene Kopplungen); Beispiele für Risiken und Probleme; Rolle der Informatik; Vorgehen zum Bau risikoarmer Systeme; Link: RISKS Forum
    • Übung: Reaktorunfall in Tschernobyl
  6. Einschub: Gastvortrag von Håkon Wium Lie (CTO of Opera Software):
    Web Standards development and the future of the Web
  7. Sicherheit 2: Ein ausführliches Fallbeispiel
    Sicherheit: Therac-25
  8. Privatsphäre 1: Was gibt's da zu schützen?
    Privatsphäre
    • Definition und philosophische Begründung; Grundrechte; Privatsphäre und Computerisierung; Fallbeispiele; Inhaltsdaten und Verkehrsdaten; Schutz von Verkehrsdaten: JAP; Privatsphäre und Sicherheit: US-Sozialversicherungsnummer; Link: Datenschutzzentrum SH
    • Übung: Die RFID-Technologie
  9. Privatsphäre 2: Gesetzliche Gestaltung des Umgangs mit personenbezogenen Daten
    Datenschutz und Datenschutzgesetz
    • Geschichte des Datenschutzes; Recht auf informationelle Selbstbestimmung; Das Bundesdatenschutzgesetz (allgemeine Bestimmungen: Personenbezogene Daten, Datensparsamkeit; Bestimmungen für öffentliche/nicht-öffentliche Stellen: Erhebung, Speicherung, Übermittlung, Nutzung, Korrektur, Löschung); Link: Datenschutz Berlin
    • Übung: BDSG
  10. Rückblick über die bisherigen Einheiten
    • Gedankengang der Vorlesung und Übung, Fragen der Teilnehmenden dazu
    • Übung: Umfrage
  11. Arbeitswelt 1 / Gesamtgesellschaftliche Wirkungen 2:
    Entscheidungsprozesse
    • Begriffe (Rationalität, Macht, Unternehmen, Mikropolitik, Routinespiele und Innovationsspiele); Fallbeispiel: Personal-Informationssystem bei einer Versicherung (Situation, Strategie, Personen, Entscheidungsprozess, Konsequenzen); Analyse (Was lernen wir?, Ist das typisch?, Wie sollte man sich verhalten?); Projektion auf Einführung von ERP-Systemen
    • Übung: kein neues Übungsblatt (Übungen finden aber statt)
  12. Arbeitswelt 1b / Gesamtgesellschaftliche Wirkungen 2b (Fortsetzung):
  13. Arbeitswelt 2 / Systemgestaltersicht:
    Benutzbarkeit
    • Begriff "Benutzbarkeit"; 4 Prinzipien (direkter Kontakt zu Benutzern, Benutzbarkeitstesten, Iterativer Entwurf, Integrierter Entwurf); Fallbeispiel: Organisatorische Hindernisse (Theorie und Praxis); Benutzbarkeitsprüfung: Beispielergebnisse
    • Übung: Emailsicherheit
  14. Arbeitswelt 3: Elektronische Kommunikation
    Email
    • Eigenschaften verschiedener Kommunikationsformen; Vor- und Nachteile von Email; Fallstudie: Wirkungen von Email im Unternehmen (positive, negative); Email-Verhaltenshinweise
    • Übung: Vorbereitung auf Klausur
  15. Alles
    Offene Fragestunde

Gastvortrag Håkon Wium Lie

"Web Standards development and the future of the Web"

The Web has established itself as a communication medium of choice for many purposes, and has become a vital part of our society. Increasingly, information that mankind produces ends up on the web, and computer applications are now targeted for the web rather than operating systems. The technical specifications that form the foundation of the Web were not designed to serve this role, but are slowly being adapted to fulfill the requests from authors and programmers.

This talk will present Web technical specifications in a historical perspective and discuss the longevity of Web standards in particular HTML and CSS. A variety of Web devices, documents and applications will be demonstrated in the presentation, e.g. an OLPC (One Laptop Per Child Association) machine and Opera Mini. Furthermore Microformats will be discussed and participants will be challenged to design a Microformat for office documents.

About the speaker: Håkon Wium Lie is the CTO of Opera Software. His job is to make sure Opera remains a better, smaller and faster browser than the one you know. Before joining Opera in 1999, Håkon worked at W3C where he was responsible for the development of Cascading Style Sheets, a concept he proposed while working with Tim Berners-Lee at CERN in 1994. In 2005, Håkon proposed the Acid2 test to help browser vendors support standards correctly. He is also actively developing and promoting new web technologies to improve typography, aesthetics and video on the web. Håkon holds a MS degree in Visual Studies from the MIT Media Lab, and a PhD from the University of Oslo. He is also a board member of YesLogic which makes the Prince web-to-PDF-through-CSS converter.

Änderungen von Jahr zu Jahr

  • 2004: Vorlesung von Grund auf neu gestaltet.

Literatur

  • Rob Kling: "Computerization and Controversy: Value Conflicts and Social Choices", 2nd ed., Academic Press 1996.
  • diverse andere Quellen (siehe Foliensätze und Verweise im Stoffplan)

(Kommentare)

Danke! ich habe AWS leider schon vor 2 Jahren gehört, aber ich werde mir den Rest des Blockkurses wohl anschauen. So hätte ich mir damals die VL gewünscht.

-- Christopher Taylor, 23.10.2004

Christopher kann ich mich nur anschließen: Ich hätte mir AWS nicht nur vor zwei Jahren schon so gewünscht. Dann hätte meine Informatikerlaufbahn ganz andere Züge angenommen. Großartig, auch wenn ich nichts mehr davon haben werde. :°(

-- Main.hensePCPOOL.MI.FU-BERLIN.DE - 13 Apr 2005

 

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Topic revision: 06 Apr 2009, GesineMilde