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Literaturbasierte Einführungswoche für Studienanfänger

Eine kurze rhetorische Frage: Wie viele Studenten egal welches Fachsemesters können sich klar und präzise ausdrücken, sind sich der Anforderungen und Ziele eines akademischen Studiums bewußt, haben eine Vorstellung von den Grundlagen wissenschaftlicher Arbeit oder können eigene Ideen adäquat präsentieren? Wie viele bleiben übrig, wenn man das „oder“ durch ein „und“ ersetzt? Das ist eine vielleicht ein bißchen unfaire Frage, denn leider bringt nicht einmal eine einfache Mehrheit diese Dinge aus der Schule mit.

Statt nun in höheren Semestern die verschiedenen Löcher notdürftig zu stopfen, sollten wir ganz pragmatisch sagen: Widmen wir doch die erste Woche der Vorlesungszeit unserer Studienanfänger diesen übergeordneten Themen, so daß wir immer wieder auf diese explizit gelegten und dann allen gemeinsamen Grundlagen zurückgreifen können! Neben Zeitersparnis und geschonten Nerven in allen folgenden Semestern hätte eine solche Woche gleich noch einen wünschenswerten Neben­effekt, der an deutschen Unis schon lange zu kurz kommt: die Ausbildung und Förderung einer echten akademischen Gemeinschaft.

Was können wir dafür tun? Mein Vorschlag ist folgendes: eine literaturbasierte Einführungswoche für Studienanfänger, die mit einer handvoll fachbereichsweiter Aktivitäten die Basis für ein metho­disch vernünftiges Studium legt und gleichzeitig einen möglichst vielschichtigen Dialog zwischen Studenten und Uni-Personal anstößt. Nicht nur grundlegende Ideen, Einstellungen und Denk- und Darstellungs­weisen kann man so einführen und einüben, sondern sich auch über Erfahrungen und Erwartungen austauschen, was persönlich verbindet und erst die Basis für Verständnis und erfolg­reiche Kommunikation schafft.

Als Grundlage dazu lesen Studienanfänger jeweils ein Buch aus den beiden Kategorien der Liste unten, Profs/WiMis zumindest eines aus einer der beiden Kategorien.

Und so könnte dann der Ablauf der Einführungswoche aussehen:

  • An jedem Tag: Möglichkeit zu gemeinsamem Mittagessen am FB; informelle Vorstellung mög­lichst aller Arbeitsgruppen, z. B. an kleinen Infotischen, mit Postern oder anderem anregen­den Material.
  • Tag 1: Zwei Plenumsveranstaltungen, die die Einführungsphase in den größeren Zusammen­hang des Studiums stellen und kreativ die Ziele zeigen: u. a. kritisches Denken, Kreativität, Verantwortung, (wissenschaftliche) Gemeinschaft, Ideenaustausch.
  • Tag 2/3: Fokus auf das wissenschaftliche Personal. Am ersten Tag BarCamp-Sessions (s. u.) mit acht bis zwölf Slots à 30 Minuten, je nach Bedarf parallel, zu einem Thema, wie eines der Bücher sie persönlich oder in ihrer Arbeit berührt hat. Am zweiten Tag sechs Slots für offene Fishbowl-Sessions (s. u.) mit einem Prof/WiMi als Themensetzer und ständigem Moderator.
  • Tag 4/5: Fokus auf die Studenten. Am ersten Tag BarCamp-Sessions mit ca. zwanzig Slots à 15 Minuten, je nach Bedarf parallel, mit Schwerpunkt darauf, wie und wohin ein Buch zum Denken angeregt hat. Am zweiten Tag sechs Slots für offene Fishbowl-Sessions mit einem Studenten als Themensetzer und ständigem Moderator.

Bereits vor Beginn des Semesters sollten ein paar Vertreter des Fachbereichs z. B. für die Be­treuung eines Forums und vielleicht eines Chats zur Verfügung stehen, um schon im Vorfeld auf Fragen und eventuelle Probleme von Studenten eingehen zu können. Und damit sichergestellt ist, daß die Woche kein isoliertes Phänomen bleibt, werden ein paar Vorschläge für Lehrveranstalter aus­gearbeitet, wie man in allen folgenden Semestern auf die erarbeiteten Grundlange der Ein­führungswoche zurückgreifen und sie in die eigenen Veranstaltungen integrieren kann.

Noch eine Anmerkung zur Literaturauswahl: Anspruchsvolle Bücher auf englisch zu lesen, ist zwei­fellos eine gewisse Hürde für viele. Wer aber ernsthaft in den am FB studierten Feldern arbeiten möchte, kommt um englische Lektüre (und zu allermeist auch die aktive Produktion englischer Sprache) nicht herum. Die Bereitschaft, hier Zeit und Anstrengung zu investieren, müssen wir voraussetzen und das auch klar sagen – je früher, desto besser.

Ganz unten auf der Seite findet sich eine Kommentarfunktion, um weitere Ideen, Einwände und Nachfragen zur Diskussion zu stellen.

General Science/Critical Thinking
Richard Dawkins: The Selfish Gene
Eine einzige neue Metapher krempelt eine ganze Disziplin um
Carl Sagan: The Demon-Haunted World
Warum Wissenschaft so faszinierend und Irrationalität so gefährlich ist
Ben Goldacre: Bad Science
Die Wahrheit™ über (medizinische) Studien, Statistik und menschliche Leichtgläubigkeit
Richard Feynman: The Pleasure of Finding Things Out
Die menschliche Seite der Wissenschaft
Richard Dawkins: The God Delusion
Philosophisch wertvolle Beschreibung der Natur und der Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis
Anthony Weston: A Rulebook for Arguments
Enorm hilfreiches Kurzlehrbuch des richtigen (und falschen) Denkens
Stephen Jay Gould: Dinosaur in a Haystack
Essay-Perlen über wissenschaftliche Arbeit und den großen Kontext, in dem sie stattfindet
Teaching/Studying
Edward de Bono: Six Thinking Hats
Eine Methode für zielführende, produktive Besprechungen und Diskussionen
Neil Postman: Teaching as a Subversive Activity
Sträflich vernachlässigtes Standardwerk über Ziele und Gründe von Lehren, Lernen und Bildung
Garr Reynolds: Presentation Zen
Die Bibel für Vorträge und Präsentationen, insbesondere solche mit PowerPoint
Benjamin Zander: The Art of Possibility
Wie uns die aktive Suche nach Potential die Augen öffnet und Bildung Flügel verleiht
William Zinsser: Writing to Learn
„Writing is thinking on paper“, sagt Zinnser, und zeigt, was und wie wir dadurch lernen
Dale Carnegie: How to Win Friends and Influence People
Seit 80 Jahren eine entwaffnend vernünftige Antwort auf die Frage, wie wir miteinander umgehen
Ken Robinson: Out of Our Minds
Warum Kreativität nie so wichtig war wie jetzt, und wie wir sie lernen

* Ein BarCamp ist ein offenes Konferenzformat, bei dem nur ein Zeit/Raum-Raster für Sessions vorgegeben ist und Infrastruktur bereitsteht, die dynamische Information, Diskussion und Mit­schrift ermöglicht: Internetzugang, Wiki und/oder kollaborativer Editor, z. B. Etherpad. Am An­fang des Camps kann sich dann wer Lust hat und vorbereitet ist für die Leitung einer Session eintragen, wenn mehr als x Teilnehmer die Kurzbeschreibung (quasi ein elevator pitch) span­nend finden und die Session besuchen wollen.

Als Fishbowl wird eine Diskussionsform bezeichnet, in der das Publikum eine kleine Gruppe Diskutanten plus einen leeren Stuhl komplett umringt und die Diskutantengruppe dynamisch geändert werden kann. Dazu setzt sich auf den leeren Stuhl, wer in die Diskussion einsteigen will, und einer der bisherigen Teilnehmer verläßt das metaphorische Goldfischglas.

Kommentare

So eine kleine Einführung in eigenständiges Denken wäre schon ganz hilfreich. Leider gab‘s das für uns noch nicht, dabei wäre diese Orientierungshilfe sicher gut angekommen. Und in den Tutorien sieht man auch ziemlich deutlich, dass sowas den Leuten am meisten fehlt: wissen, wie man eigenständig arbeitet und lernt. Die Frage ist, ob eine Woche für sowas reicht.

-- KonradRudolph - 01 Jun 2010

Die allgemeine Hilflosigkeit von so manchen Kommilitonen, die sich vor allem in den Tutorien präsentiert, macht wirklich stutzig. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Einführungswoche das tatsächlich ändert und sogar einige Studenten motiviert. Ich sehe auch, dass Studenten hierdurch generell mehr Interesse zeigen könnten und zeigen würden. Eine Woche ist sicher nicht der Zeitrahmen, in dem so etwas direkt seine Früchte trägt, aber es wird ein Stoß in die richtige Richtung sein.

-- Main.surma08 - 01 Jun 2010

Ich fände soetwas hilfreich, wenn es längerfristig das Studium mehr an Literatur (insbesondere wissenschaftliche Literatur) bindet. Man sollte überlegen, ob man entweder den Brückenkurs hierfür erweitert oder auch ob es Sinn macht dies parallel im ganzen ersten Semester durchzuführen (dies würde eine sanftere Hinführung erreichen und das ganze auch nachhaltiger machen, als eine einzige intensive Woche).

-- ChristopherOezbek - 01 Jun 2010

Anleitungen zum eigenständigen, wissenschaftlichen Arbeiten sucht man an der Uni leider vergebens, und wenn dann nur mit sehr untergeordneter Priorität. Das Ergebniss lässt sich jede Woche aufs neue in den Tutorien bestaunen, die Steigerung bekommt man dann in den Kursen zu spüren, bei denen die Studenten plötzlich auf eigene Füße gestellt werden und selbständig arbeiten und denken müssen und zu recht vollkommen überfordert sind. Die wenigen Angebote zu der Thematik die es gibt (und gab - leider schrumpft das Angebot ja auch noch!), laufen mit viel zu niedriger Priorität (ABV mit minimaler Punktzahl), so dass sie im normalen Studienalltag aufgrund vermeintlich wichtigerer Kurse fallengelassen werden. Wie schon mehrfach angesprochen finde ich eine Woche viel zu wenig Zeit, um sich mit einem so weitreichenden Themengebiet auseinananderzusetzen. An der FH Potsdam im Fachbereich Design beginnt jedes Wintersemester mit drei sogenannten Projektwochen. Dabei gibt es verschieden Themengebiete (Projekte), von denen sich die Studenten eines wählen. Zu diesem Thema wird dann drei Wochen am Stück und unter Anleitung gearbeiten. Ich denke in einem solchen Format würde sich der oben genannte Vorschlag sehr gut umsetzen lassen. Außerdem würde es Spielraum geben um die Themen zu vertiefen (zum Beispiel für höhere Semester). Auf jeden Fall eine sehr gute, und dringend notwendige Idee. Ich hätte mich gefreut, wenn ich beim Studieneinstieg eine solche umfassende Einführung bekommen hätte.

Grüße Friedrich

-- Main.Wessel - 01 Jun 2010

Das ist gut, mal darüber nachgedacht zu haben. Nach meinen Erfahrungen kann sowas jedoch vollkommen schief laufen, und das aus zwei Gründen: Erstens, befinden sich Erstsemestler während der ersten Woche(n) des Studiums in einem Mischzustand aus Angst, Schock und Neugier auf "das Wesentliche" - was auch immer dies sein mag - und eine derartige Projektwoche würde bei vielen als eine Art aufgesetzte schulmeisterliche Maßnahme empfunden, die wie eine Bremse auf dem Weg zum "echten" Studienstart auferlegt wird. Zweitens könnte die Art und Weise der organisierten Gruppendynamik (ich nenne das mal so) Antagonismen hervorrufen - ich glaube zu wissen daß ich selbst so reagieren würde - und damit das Ziel vollkommen verpassen und einen Schaden noch obendrein einzurichten; denn die sehr persönliche Natur solcher Veranstaltungen kann, wenn sie einem zuwider ist, tiefe negative Furchen hinterlassen. Das Ganze wirkt auf mich wie ein Erziehungsversuch, denn das gedachte Publikum kann nur scheinbar an Diskussionen Teilnehmen - ihm fehlt ja die Erfahrung des Systems Hochschule um mitreden zu können! Mit mehreren absolvierten Studiengängen unterschiedlicher Fachrichtungen hinter mir habe ich das Gefühl, daß der Sinn, die Art zu arbeiten und die Lern- und Forschkultur in einer Gemeinschaft mit der Zeit kommen. Und tatsächlich landen unterschiedliche "Typen" in die unterschiedlichen AGs und in die unterschiedlichen Teams, und es gibt keine eine richtige Art zu lernen, zu forschen oder zu lehren (obwohl alle falschen Arten dies alles zu tun sehr ähnlich sind...). Und daß viele ihren Platz in dieser Gemeinschaft auf Dauer nicht finden zeugt nicht unbedingt davon, daß sie es nicht verstanden haben sich in sie zu integrieren, sondern vielleicht auch davon, daß sie es verstanden haben aber nicht als für sie passend empfunden und daher ausgestiegen sind. Kurzum - ich finde den Gedanken frisch, bleibe aber dabei, daß wir als Lernende, Lehrende und Forschende am besten all dies mit besten Wissen und Gewissen und vor allem mit Freude machen, und den Sinn bzw. die Art wie man es macht im kontinuierlichen Diskurs aus der und während der Arbeit "online", "implizit" und "bottom up" erarbeiten.

Gruß!

Noam Yogev

-- Main.yogev - 01 Jun 2010

Ich bin im achten Semester. Ich habe noch nie einen wissenschaftlichen Artikel durchgelesen (so einer ist doch nur 4-5 Seiten lang, oder?). Die Anzahl der Dozenten, mit denen ich persönlich gesprochen habe, beläuft sich ungefähr auf 5. Wenn ich mich nur auf diejenigen beschränke, die meinen Namen nennen könnten, dann sind wir im besten Fall bei 3 (ich glaube, damit gehöre ich in der Berühmtheitshierarchie schon zu dem oberen Drittel... nicht umsonst, ich bin extrovertiert!). Ach ja... Wie sieht's mit einem einfachen "Hallo Herr/Frau XY" im Informatikfoyer aus? Meine Erfahrung: "Was??! Hat mich gerade ein Student begrüßt?" -Gesicht mit dem Eindruck, dass ich ein Ausserirdischer bin und zu der Menge "Studenten" gehöre, weil nämlich Studenten und Dozenten in verschiedenen Universen Leben und das Informatikgebäude ist nur eine rein zufällig entstandene Schnittmenge dieser zwei Welten, die bloß bei der Erledigung von Bürokram (wie Anmeldung zu Kursen, Anerkennung von Studienleistungen) oder bei der Erfüllung der von einer höheren Macht vorgeschriebenen Pflichtaufgaben (wie Lehre oder Klausuren) in Anspruch genommen wird... und das Schlimmste ist: ich habe nach den Regeln gespielt! Ich habe den Studienverlaufsplan eingehalten! Na gut, vielleicht sollten wir nicht so kritisch sein, es fehlen eigentlich nur zwei Sachen aus dem Studium: Wissenschaft und Kontakt zum Fachbereich.

Ob die erste Sache wichtig ist... aber was ist mit dem Kontakt? "Vielleicht lege nur ich zu viel Wert darauf", habe ich gedacht, und habe nachgeschaut! Hier ist das Ergebnis:

Seven Principles for Good Practice in Undergraduate Education by Arthur W. Chickering and Zelda F. Gamson:

"Principle 1. Frequent student-faculty contact in and out of classes is the most important factor in student motivation and involvement. Faculty concern helps students get through rough times and keep on working. Knowing a few faculty members well enhances students' intellectual commitment and encourages them to think about their own values and future plans."

Ach, und was ist mit dem Kontakt unter den Studenten?
"Principle 2. Develops Reciprocity and Cooperation Among Students
Learning is enhanced when it is more like a team effort that a solo race. Good learning, like good work, is collaborative and social, not competitive and isolated. Working with others often increases involvement in learning. Sharing one's own ideas and responding to others' reactions sharpens thinking and deepens understanding."

Das wird aber gefördert! "Abgabe in Zweiergruppen, bitte!" Aha.

Nun, da ich diese zwei Sachen für sehr wichtig halte, wäre der von Peter beschriebene Ansatz ein perfekter Anfang! Man lernt die Dozenten kennen, es bilden sich Kontakte unter den Studenten und es ensteht gleich ein Zugehörigkeitsgefühl zum Fachbereich, das ich bis heute vermisse. Das alles basierend auf einem interessanten, wissentschaftlichen Buch, wobei auch noch die Englischkenntnisse aufgefrischt werden. Das reicht natürlich noch lange nicht, um das Informatikstudium genügend zu verbessern, aber irgendwo muss man ja anfangen, man kann nicht gleich alles verändern. Verändern? Ja... Alles...? Ich habe mal gehört:

"It is not the strongest of the species that survives, nor the most intelligent that survives. It is the one that is the most adaptable to change." (Charles Darwin)

... also nicht alles... nur so viel, dass wir überleben!

-- TasSoti - 02 Jun 2010

Es gibt zwei Hauptsachen, bei denen sich der Fachbereich und auch die Studenten (vielleicht nicht gerade die Erstis, hier sind die höheren Semester gefordert) anstrengen sollte:

1) ein (Zusammen-)Gehörigkeitsgefühl vermitteln: Wie Tas schon schrieb, ist ein gutes Miteinander lernerfolgsfördernd und motivierend. Und außerdem: Wer erinnert sich nicht gerne an einen Fachbereich, in dem man herzlich aufgenommen wurde und in dem man für den persönlichen Werdegang wichtige und interessante Menschen kennengelernt hat? Wenn man einen echten Bezug zu seinem Fachbereich verspürt, versucht man auch, diesen später weiter zu unterstützen (vielleicht finanziell, vielleicht mit Vorträgen aus der eigenen Praxis, vielleicht mir gut gemeinten Empfehlungen).

Stichworte hierzu wären: echtes Kennenlernen der Dozenten (z.B. so wie in der oben beschriebenen Vorbereitungswoche), ein Mentorenprogramm, mehr gemeinsame Veranstaltungen.

2) eine klare Zielvorstellung bei den Studenten entwickeln, mit welchem Ziel sie studieren: Mir scheint, als herrsche immer noch eine ziemlich schiefe Vorstellung davon, was ein Studium (auch speziell der Informatik) bedeutet. Anscheinend wird dies hauptsächlich als einfache Weiterqualifikation nach der Schule gesehen. Ein Studium hat aber einen ganz anderen Charakter: den des (verkürzt) "lernen Lernens" (und somit auch die Vorbereitung auf wissenschaftliche Arbeit). Das zu erwerbende "Wissen" ist oft sehr allgemein.

Wer mit der Erwartung, alles Wichtige würde ihm schon beigebracht, herangeht, scheitert. Man wird nicht einfach ausgebildet, sondern eher angebildet. Die eigene Begeisterung und Initiative ist nötig, um das abstrakte Gelernte mit Leben zu füllen und auch später in seinem/r Beruf(ung) anzuwenden. Dazu ist sicher mehr als die Zeit, die man in der Uni verbringt, nötig. Es wäre also gut, wenn Studenten möglichst früh wüssten, ob das das Spiel ist, auf das sie sich einlassen wollen.

In diesem Sinne finde ich den Vorschlag der Grundlagenlektüre gut. Bei wem der Funke der Beigeisterung nicht überspringt, bei wem kein Interesse am Fragen und Entdecken entsteht, der wird es im Studium schwer haben.

3) Zum Prozess: Auf Erstsemesterstudenten prasseln am Anfang viele Informationen, neue Begriffe, neue Regeln und Personen ein. Damit die Einführungswoche nicht eher eine abschreckende Wirkung hat ("oh Gott, noch mehr Arbeit"), muss eine gute Betreuung sowohl von Studenten höherer Semester als auch von Professoren während der Woche gewährleistet sein. Das kostet viel Zeit, lohnt sich aber auf Dauer, wenn zufriedenere Studenten das Institut bevölkern.

-- FlorianThiel - 03 Jun 2010

Nach einem abgeschlossenen Studium am Fachbereich kann ich sagen: Ich hab's geschafft. Zum Glück. Denn was dem Studium hier fehlt, wurde schon mehrfach erwähnt: Lernen lernen in einer motivationsfördernden Atmosphäre, das war immer mehr Wunschdenken als Realität. Von Beginn an wird viel Detailwissen vermittelt, die Bezüge zum großen Ganzen fehlen. Genau wie auch kein Bezug zum Institut als solches aufkommen wollte. Das Uni-Personal kennt man fast nur vom Frontal-Unterricht, einen persönlichen Bezug gibt es nicht.

Ich denke, die vorgeschlagene Einführungswoche (vielleicht sogar unterstützt durch eine weiterführende Veranstaltung während des gesamten ersten Semesters) lenkt den Blick der Studenten schon früh auf wesentliche Dinge, die sonst semesterlang vollkommen untergehen. Ich für meinen Teil hätte selbst gegen Ende meines Studiums noch viel Lernen lernen können. Mir hätte eine solche Einführung nicht nur fachlich geholfen; mir hätte höchstwahrscheinlich auch das Studium mehr Spaß gemacht.

-- Moritz Wade - 04 Jun 2010
 

Topic revision: r24 - 07 Jun 2010, PeterMonnerjahn

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