Wissenschaftliches Schreiben

Sommersemester 2008
Donnerstags, 14–16 Uhr; SR 055, Informatikgebäude.

Abschluß-Text

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Statische Welt

Seit der Aufklärung hat sich viel getan, das Leben heute ist durchdrungen von Vernunft. Staat und Wirtschaft handeln nach rationalen Kriterien. Rationalität hat sich als Qualitätsmaßstab durchgesetzt. Tatsächlich?

Moderne Erkenntnisse

1) FJFJFJFJ DKDKDKDK,... kommt Ihnen das bekannt vor? Das sind die ersten Fingerübungen für eine Tastatur. Die wechselnden Buchstaben kann man besonders schnell tippen, weil sie auf verschiedenen Fingern liegen. Aber wer schreibt schon lange Folgen FJFJFJ... oder DKDK..., auch wenn es schnell geht? Das ursprüngliche Ziel des heute so populären QWERTZ-Layouts war gar nicht, Texte schnell schreiben zu können. Im Gegenteil: Bei alten Schreibmaschinen musste man die Schreibgeschwindigkeit begrenzen, damit sich die Hebel nicht verklemmten. Mit der Erfindung der Typenradschreibmaschinen und des Computerkeyboards hatten sich die Rahmenbedingungen geändert und es gab keine Hebel mehr. Trotzdem arbeitet die ganze Welt weiterhin mit dieser Technik, deren Entwurfsziel Ineffizienz war!

2) "Ab sofort haben wie eine volle Stelle als ... zu besetzen". So oder so ähnlich ist es in jeder Stellenanzeige zu lesen. Der gessellschaftliche Konsens übersetzt "volle Stelle" mit ca. 40h in der Woche, meist verbunden mit einer verpflichtenden täglichen Anwesenheit von 8:00 bis 17:00. Diese Übersetzung stammt aus der Zeit der Industrialisierung. Bei immer gleicher manueller Arbeit gibt es in doppelter Zeit tatsächlich doppelten Ausstoss. Arbeit konnte nur in Firmen stattfinden und war in mehrere Aufgaben zerlegt. Gleichzeitige Anwesenheit der Arbeiter war sinnvoll.



Heute sind viele der Jobs, die während der Industrialisierung entstanden waren, automatisiert, und Arbeit entsteht im Dienstleistungs- und Wissensbereich. Anwesenheit ist nicht mehr erforderlich, Denken kann man auch zu Hause oder im Park. Trotzdem wird weiterhin Anwesenheit bezahlt. Wenn man nur die halbe Zeit anwesend ist, wird auch nur die Hälfte bezahlt, unabhänig vom Ergebnis. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, trotzdem verschwenden Menschen ihre Zeit in einem Modell, das mal angebracht war.

3) Ausbildung, Arbeit, Rente: So sieht die typische Erwerbsbiografie immer noch aus. 15-20 Jahre Ausbildung, 40-50 Jahre Arbeit, bis zu 20 Jahre Ruhestand. Wenn man Leben in 3 Abschnitte einteilt, in denen man im Großen und Ganzen das Gleiche tut, wo bleibt die Inspiration und Kreativität? 40 Jahre warten, endlich "frei" zu sein und machen zu können, was man will? Und dann wahrscheinlich kein Geld mehr dafür haben? Und am Ende in ein tiefes schwarzes Loch fallen, weil man sein ganzes Leben nicht darauf vorbereitet wurde, auf einmal nichts mehr zu tun zu haben?



Woher kam eigentlich diese eigentümliche Idee mit der Dreiteilung des Lebens? War das mal eine gute Idee? Ja, in einer Zeit, in der grosse Teile der Bevölkerung von Landwirtschaft und Handwerk gelebt haben und in der es keine ausreichenden sozialen Sicherungssysteme gab. Mit fünfzig, sechzig Jahre war man einfach nicht mehr in der Lage, schwere körperliche Arbeiten zu verrichten. Dann musste der Nachwuchs den Lebensunterhalt finanzieren. Ein Pausen-Jahr konnte man nicht selbst finanzieren. Ausserdem war die Lebenserwartung nicht so groß wie heute, sodass der dritte "Lebensabschnitt" kürzer ausfiel.

Statische Wissenschaft

Wissenschaft basiert auf der Idee rationaler Schlussfolgerungen. Bestimmte Voraussetzungen werden als gegeben hingenommen. Aus diesen kann man Schlussfolgerungen logisch ableiten. Wenn die Annahmen stimmen, so sind auch die Schlussfolgerungen richtig. So weit, so gut. Aber eben nur, wenn die Annahmen stimmen.

Wissenschaft schafft keine endgültigen Wahrheiten. Wenn sich die Voraussetzungen ändern, kann man diese nicht mehr zur Herleitung der Folgerungen verwenden. Was gestern richtig war, ist es heute unter Umständenn nicht mehr. Solange wir nicht alles wissen, müssen wir immer wieder Korrekturen an unserem Weltbild vornehmen.

Wie war das nochmal mit der Rentenformel?

-- FlorianThiel - 13 Jul 2008

Warum sollten für neue Konzepte keine alten Worte benutzt werden?

Advanced Glycolygis end products sind mit fortschreitendem Alter in Menschen mehr vorhanden. Was fiel also naheliegender sie als AGE, das englische Wort für altern abzukürzen? „Vegetarians AGE faster“ war eine Überschrift für einen Artikel in dem zwischen der Abkürzung „AGE“ und dem Verb “to age” keinen Unterschied gemacht wird und der so den multifaktoriellen Prozess des Alterns auf einen Faktor reduziert[1].

Nach der Sapir–Whorf Hypothese können wir nur Gedanken denken, die sich in unserer Sprache ausdrücken lassen. So hat zum Beispiel ein Volk im Amazonas keine Worte für Zahlen größer als 2 und auch Probleme mentale Kalkulationen mit mehreren Objekten durchzuführen[2]. Während es zwar für uns möglich ist verschiedene Bedeutungen eines Wortes auseinanderzuhalten, müssen wir dazu mentale Arbeit aufwenden. Ebenso ist es für andere, die das Wort hören oder es lesen nicht unbedingt aus dem Kontext ersichtlich welche Bedeutung der Author meinte. Je mehr sich die Bedeutung der Worte ähneln je eher kann der Fehler passieren das sich Fehler ereignen.

Den Intelligenz Quotienten mit der Fähigkeit mentale Arbeit erfolgreich auszuführen, was landläufig unter dem Wort Intelligenz verstanden wird kann mit unter zu Problem führen.

Wenn Mensa um intelligente Bewerber von weniger intelligenten zu unterscheiden um so nur intelligente als Mitglieder zu rekrutieren hat eine Bewertung Auswirkungen für den Menschen der bewerted wird.

Im Gegensatz dazu ist die Bezeichung g für einen neueren Wert der auch zur Messung von Intelligenz gedacht ist besser um ihn nicht überzuinterprieren.

Wenn man das gleiche Wort benutzt ist es einfacher Fehler zu machen und eine Bedeutung des Wortes für die andere zu halten.

Entropie ist ein gutes Beispiel. Zum einen existiert Shannon Entropie, was ein mathematisches Mass für den Informationsgehalt eines Systems ist. Zum anderen gibt es thermodymaische Entropie, die eine Größe ist die hilft zu entscheiden ob eine chemische Reaktion stattfindet. In thermodymaischen System verteilt sich Materie einheitlich über den ihr zu Verfügung stehenden Raum. Diesen Prozess setzen manche mit der Shannon Entropie gleich, obwohl im Gegensatz zu middleworld in largeworld wo Gravität die stärkste Kraft ist, Materie sich auf einen Punkt in einem Schwarzen Loch konzentriert.

Während in thermodymasichen Systemen sich Materie verteilt, konzentriert sich Materie in largeworld zu schwarzen Löchern. Beides einfach zusammen der Idee das sich Shannon Entropie des Universums wie thermodynamische Entropie verhält.

Während man oft nützliche Ergebnisse bekommt wenn man das mathematische Konstrukt der Shannon Entropie auf thermodynamische Systeme anwendet, bedeuten die Begriffe nicht das gleiche. Wenn man sich jedoch nicht über die Unterschiede der Konstrukte im klaren ist, bemerkt man nicht wenn in dem Modell das man benutzt ein Fehler ist.

Das finden von Fehlern in Modellen ist jedoch zentrale Aufgabe der Wissenschaft. Fortschritte finden oft dadurch statt, dass man Ausnahmen findet für die ein Modell nicht gilt. Es ist wertvoll Begriffe auseinander zu halten und neue Dinge die man entdeckt auch mit neuen Begriffen zu versehen. Präzise Begriffe helfen den Überblick zu behalten und so Fehler in Modellen besser zu finden.

[1]: Vegetarians AGE faster - Dr. Michael R. Eades 8. April 2008, online unter http://www.proteinpower.com/drmike/sugar-and-sweeteners/vegetarians-age-faster-2/

[2]: Numerical Cognition Without Words: Evidence from Amazonia - Peter Gordon 2004 Science

-- Christian Kleineidam - 13 Jul 2008
Topic revision: r4 - 12 Oct 2008, PeterMonnerjahn

Dozenteninfo

 
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