Kurzer Leitfaden für Präsentationen
(nicht nur in Advanced Algorithms)

Die folgenden Punkte habe ich versucht in eine möglichst chronologische Reihenfolge zu bringen – aus der Perspektive desjenigen, der zwar weiß, daß er einen Vortrag zu halten hat, aber vielleicht noch nicht worüber und wie. Über Vorschläge zu weiteren erläuterungsbedürftigen Punkten wäre ich sehr dankbar. Dafür gibt es am Ende der Seite eine Kommentarfunktion.

Thema
  • Zwei kurze Fragen zu Beginn: Wie häufig kommt es vor, daß man nicht so wirklich weiß, worüber der Vortragende eigentlich genau spricht? Und wie häufig kommt es vor, daß man zu genau weiß, worüber der Vortragende spricht? Um denselben Punkt an einem konkreten Bei­spiel zu zeigen: Worauf ist ein Vortragender festgelegt, wenn sein Thema „Die Bio­synthese der Nukleotide” lautet? Was sagt ihm das Thema darüber, was er in den Vortrag hineinzu­nehmen und was er herauszulassen hat? Sollten Endonukleasen im Detail vor­kommen, oder glykosidische Bindungen? Ist die Herkunft jedes einzelnen Atoms eines neuen Purinrings relevant? (Vgl. Das-ist-auch-noch-wichtig-Syndrom) Sind UV-o-gene Thymin-Dimere ein hilf­reiches Beispiel? Kurz gefragt: Hat man eigentlich etwas zu sagen?
  • Eine Antwort auf diese letzte Frage kann eine These geben. Zum Beispiel Benjamin Zander: „Jeder kann lernen, klassische Musik zu verstehen und zu lieben”. Hierin ist bereits eine ein­fache Marschroute für den Vortrag enthalten: Das gesamte Publikum muß sich einbezogen fühlen; es braucht ein Beispiel, das leicht verständlich und auf neue, aber ähnliche Situa­tionen anwendbar ist; ein Zusammenhang zwischen der Welt des Publikums und der der klassischen Musik muß eine Erkenntnis über letztere erzeugen; und das Publikum muß eine Bindung zwischen der Musik und eigenen Emotionen ausbilden. Und damit ist das gesamte Rückgrat des Vortrags bereits gegeben; der Rest ist zwar auch funktional wichtig, aber vergleichsweise nur Füllmaterial.
        Selbst der kurze Titel von Ken Robinsons Vortrag, „Schools kill creativity”, impliziert bereits ein paar Fragen und Antworten. Was legt nahe, daß das von der These postulierte Problem tatsächlich besteht? Warum ist das so schlimm, wie die These suggeriert? Was kann man dagegen tun? Genau diesen Fragen widmet sich Robinson und schlägt auch eine Lösung vor, die man ebenfalls aus der These herauslesen könnte: Schule muß Kreativität fördern, statt sie zu unterdrücken.

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Topic revision: r3 - 09 May 2010, PeterMonnerjahn

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