Computer- und Naturwissenschaftler der Freien Universität erhält den Early-Career-Preis für theoretische Chemie

News vom 05.02.2019

Prof. Dr. Frank Noé vom Fachbereich Mathematik und Informatik an der Freien Universität Berlin erhält den diesjährigen Early-Career-Preis für theoretische Chemie der American Chemical Society (ACS). Die weltweit renommierte Fachgesellschaft begründet ihre Entscheidung mit der wichtigen Pionierarbeit Noés bei der Entwicklung innovativer rechnergestützter Methoden für die Biophysik. Insbesondere bei der „Markov-Modellierung“ und deren Anwendung auf Proteinsimulationen habe Noé vielversprechende wissenschaftliche Erkenntnisse hinzugewinnen können. Die Markov-Modellierung ist eine Methode des maschinellen Lernens, ein Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Markov-Modelle erlauben es, die komplexe Dynamik von Proteinen und anderen Molekülen durch einen zufälligen Sprungprozess zwischen diskreten Zuständen darzustellen, die verschiedenen Proteinstrukturen entsprechen. Mithilfe dieser Modelle widmet sich der Wissenschaftler der Lösung des sogenannten Sampling Problems. Das Problem besteht darin, dass die direkte Simulation von Proteinfaltung oder Bindung – beispielsweise an Medikamente – selbst auf einem Supercomputer Jahre bis Jahrhunderte dauern würde. Die von Prof. Noé entwickelten Methoden ermöglichen solche Simulationen innerhalb von Wochen auf herkömmlichen Grafikkarten. Die Abteilung für physikalische Chemie der American Chemical Society vergibt jedes Jahr einen „Senior“- und einen „Early Career“-Preis für theoretische wie auch für experimentelle physikalische Chemie. Die Auszeichnung soll herausragende wissenschaftliche Fortschritte einzelner Mitglieder der ACS-Vereinigung würdigen. Die Preise des Jahres 2019 werden im Herbst während des ACS National Meetings im US-amerikanischen San Diego verliehen. Die Gesellschaft zählt rund 160 000 Mitglieder weltweit.

Dr. Frank Noé, Jahrgang 1975, forscht und lehrt derzeit als Brückenprofessor zwischen den Fachbereichen Mathematik und Informatik sowie dem für Physik und dem für Biologie, Chemie, Pharmazie an der Freien Universität Berlin. Seine wissenschaftliche Laufbahn begann Frank Noé mit einem Studium der Elektrotechnik an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (Stuttgart) im Jahr 1999. Nach seinem Masterabschluss in Informatik am irischen Cork Institute of Technology promovierte er an der Universität Heidelberg an der Schnittstelle der Disziplinen Informatik und Theoretische Biophysik (2006). Am Matheon, einem Forschungszentrum für angewandte Mathematik in Berlin, leitete er sechs Jahre lang eine Forschergruppe, bevor er 2013 die Professur für mathematische Modellierung in den Biowissenschaften an der Freien Universität übernahm. Das Matheon wird von den Mathematik-Instituten der Technischen Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin sowie dem Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin und dem Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik getragen. Frank Noé hatte 2009 eine Gastprofessuren an der Universität Heidelberg inne und seit 2015 eine Gastprofessur an der texanischen Rice University in Houston. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Entwicklung von Methoden der künstlichen Intelligenz, insbesondere für Anwendungen in den Naturwissenschaften. Darüber hinaus entwickelt er frei zugängliche Computersoftware für die Forschung. Für sein wissenschaftliches Engagement hat er bereits viele Auszeichnungen erhalten, so erhielt er vom European Research Council für die Jahre 2012 bis 2017 einen Starting Grant und 2017 einen Consolidator Grant.

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